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Tonleitern
Die Moll-Tonleiter auf der Gitarre: dieselben Töne, ein anderer Grundton
SMART FRET Team ·
Die Moll-Tonleiter ist die zweite der vier Tonleitern. Wer die Dur-Tonleiter geübt hat, muss für das natürliche Moll kein einziges neues Griffbild lernen. Es besteht aus denselben sieben Tönen, an denselben Bünden, mit denselben Fingersätzen.
Was sich ändert, ist ausschließlich, welcher Ton das Ziel ist, und welche Intervalle das im Verhältnis zu diesem neuen Grundton sind.
Ein Intervall kippt: aus 3 wird ♭3
Gemeint ist hier immer das natürliche Moll. Es besteht aus den Intervallen 1, 2, ♭3, 4, 5, ♭6, ♭7. Gegenüber Dur sind gleich drei Stufen in ihre dunkle Version gekippt: die 3, die 6 und die 7. Die wichtigste davon ist die ♭3. Sie allein entscheidet, ob wir ein Gefühl als Dur oder Moll wahrnehmen. In A-Moll ergibt das A, B, C, D, E, F, G.
| Stufe | Intervall | Ton in A-Moll | Bünde über dem Grundton |
|---|---|---|---|
| 1 | Grundton | A | 0 |
| 2 | 2 | B | 2 |
| 3 | ♭3 | C | 3 |
| 4 | 4 | D | 5 |
| 5 | 5 | E | 7 |
| 6 | ♭6 | F | 8 |
| 7 | ♭7 | G | 10 |
| 8 | 1 (Oktave) | A | 12 |
Auf Bünde übersetzt ergibt das die Schrittfolge Ganzton, Halbton, Ganzton, Ganzton, Halbton, Ganzton, Ganzton, also 2-1-2-2-1-2-2. Die beiden Halbtonschritte liegen jetzt zwischen der zweiten und dritten sowie zwischen der fünften und sechsten Stufe, zwei Stufen früher als in Dur. Dieselben zwei Halbtonschritte, nur verschoben, und daraus entsteht bereits ein völlig anderer Charakter.
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Grundton
Warum es dieselben Töne sind wie C-Dur
A, B, C, D, E, F, G ist die C-Dur-Tonleiter, nur bei A begonnen statt bei C. Deshalb heißt A-Moll die Paralleltonart von C-Dur, und deshalb steht in beiden Tonarten kein einziges Vorzeichen.
Auf dem Griffbrett ist das nachzählbar, nicht nur behauptet. Lage 1 von A-Moll und Lage 2 von C-Dur liegen im selben Bundbereich, dem 5. bis 8., und sind punktgleich.
Und hier derselbe Bundabschnitt, gelesen als C-Dur:
Kein einziger Ton hat sich bewegt. Verschoben haben sich die roten Markierungen: In A-Moll ist das Ziel A, in C-Dur ist es C. Und weil jede Zahl im Bild vom Grundton aus zählt, steht jetzt an jedem Punkt eine andere. Das C war oben die ♭3 und ist hier die 1.
Was Moll dunkel macht
Wenn die Töne dieselben sind, kann der Unterschied nur am Grundton liegen, genau wie in der Party-Metapher aus dem Intervalle-Artikel. Als A bist du jetzt der Gastgeber, und C ist deine ♭3 statt deiner 3. Das Verhältnis zwischen dir und C ist um einen Bund enger als das Verhältnis zwischen C und E in C-Dur, eine kleine statt einer großen Terz. Dieser eine Bund ist das, was das Ohr als dunkel oder hell hört.
| C-Dur | A-Moll | |
|---|---|---|
| Grundton | C | A |
| Terz | E, vier Bünde (3) | C, drei Bünde (♭3) |
| Quinte | G, sieben Bünde (5) | E, sieben Bünde (5) |
| Siebte Stufe | B, elf Bünde (7, Leitton) | G, zehn Bünde (♭7) |
Die zweite Zeile ist der Unterschied zwischen Dur und Moll. An der vierten liegt es, dass Moll offener endet: In Dur ist die 7 der Leitton und zieht hörbar zum Grundton. In Moll ist es die ♭7, einen ganzen Ton unter dem Grundton, und sie zieht nicht mehr. An dieser Stelle kommt später harmonisch Moll ins Spiel.
Hörbar in dreißig Sekunden: Spiel die Lage oben aufwärts, einmal endend auf dem A, einmal auf dem C. Zwei Tonarten, ein Griffbild, zwei völlig unterschiedliche Ziel-Intervalle.
Lage 2: 7. bis 10. Bund, Lage 3: 9. bis 12. Bund
Die Grundtöne von Lage 2 liegen auf der D-Saite im siebten und der B-Saite im zehnten Bund, fünf Saiten tragen hier drei Töne.
Lage 3, die dünnste der drei, hat den Grundton auf der A-Saite im zwölften Bund und einen zweiten auf der B-Saite im zehnten.
In jede Tonart verschieben
Der Grundton von Lage 1 liegt auf der tiefen E-Saite, und dort beginnt die Lage auch. Für Gitarrist:innen ist Moll dadurch bequemer als Dur, weil man die Bünde der tiefen E-Saite ohnehin von den Barré-Akkorden kennt.
| Tonart | Grundton auf der tiefen E-Saite | Lage 1, Bünde |
|---|---|---|
| E-Moll | 0. Bund (Leersaite) oder 12. | 0. bis 3. bzw. 12. bis 15. |
| G-Moll | 3. Bund | 3. bis 6. |
| A-Moll | 5. Bund | 5. bis 8. |
| B-Moll | 7. Bund | 7. bis 10. |
| C-Moll | 8. Bund | 8. bis 11. |
| D-Moll | 10. Bund | 10. bis 13. |
Die Akkorde einer Molltonart
Dieselben sieben Akkorde wie in der Paralleltonart, weil sie aus denselben Tönen gebaut sind. Nur ihre Reihenfolge und damit ihre Funktion ändert sich, weil jeder Dreiklang jetzt relativ zu A statt zu C gebildet wird:
| Stufe | Akkord in A-Moll | Typ |
|---|---|---|
| i | Am | Moll (1-♭3-5) |
| ii° | B vermindert | vermindert |
| III | C | Dur (1-3-5) |
| iv | Dm | Moll |
| v | Em | Moll |
| VI | F | Dur |
| VII | G | Dur |
Zwei Dinge daran sind für die Praxis wichtig.
Die fünfte Stufe ist ein Mollakkord. In Dur enthält sie den Leitton und zieht kräftig zum Grundton zurück. In natürlichem Moll enthält sie keinen Leitton und zieht deshalb nicht. Ein Schluss von Em nach Am klingt weich, fast beiläufig, in Rock und Folk oft erwünscht, in klassischer Harmonik meistens nicht.
Die dritte, sechste und siebte Stufe sind Dur. C, F und G in A-Moll, zufälligerweise die drei Akkorde, mit denen die meisten Anfänger:innen ohnehin beginnen. Die Folge Am, F, C, G besteht aus vier Stufen derselben Tonart.
Harmonisch und melodisch Moll, kurz
Beide entstehen aus demselben praktischen Problem: Die ♭7 zieht nicht zum Grundton zurück, weil ihr der Leitton-Zug fehlt.
Harmonisch Moll hebt die ♭7 zur 7 an, in A-Moll wird aus G ein G♯. Jetzt liegt sie einen Halbton unter dem Grundton, ist Leitton, und die fünfte Stufe wird zu einem Durakkord (E-Dur statt Em). Der Preis: Zwischen der ♭6 und der neuen 7 klafft jetzt eine Lücke von drei Bünden, der orientalisch klingende Sprung, den man sofort wiedererkennt.
Melodisch Moll hebt zusätzlich die ♭6 zur 6 an und schließt diese Lücke wieder.
Für die ersten Jahre reicht diese Einordnung. Beide sind Werkzeuge für einen bestimmten Zweck, keine Tonleitern, die man vorsorglich auswendig lernt.
Wie du es übst
- Dieselbe Lage, zwei Zieltöne. Lage 1 aufwärts und abwärts, einmal auf dem A endend, einmal auf dem C. Fünf Durchgänge im Wechsel trennen Dur von Moll, ganz ohne Metronom.
- Die ♭3 gezielt suchen und die Tonleiter so spielen, dass du auf ihr stehen bleibst. Sie ist der eine Ton, der Moll zu Moll macht.
- Über eine Begleitung. Zwei Takte Am, zwei Takte G, und nur die Töne aus Lage 1 dazu.
- Erst dann Tempo: Viertel bei 60 bpm, Achtel, in Schritten von 5 bpm hoch.
Was danach kommt
Aus dieser Tonleiter entsteht durch das Streichen von zwei Intervallen, der 2 und der ♭6, die Moll-Pentatonik. Dort bleibt exakt das übrig, was auf keinen Fall reibt: der Akkord selbst plus zwei zusätzliche Töne.
Kurz zusammengefasst
- Das natürliche Moll besteht aus den Intervallen 1, 2, ♭3, 4, 5, ♭6, ♭7. In A-Moll ergibt das A, B, C, D, E, F, G, exakt dieselben Töne wie C-Dur.
- Dunkel klingt Moll wegen der ♭3: Sie liegt drei statt vier Bünde über dem Grundton. Dieser eine Bund ist der ganze Unterschied zu Dur.
- Weil die Töne dieselben sind wie in der Paralleltonart, sind auch die Griffbilder dieselben. Nur der Zielton wandert.
- Die Akkorde einer Molltonart sind dieselben sieben wie in der Paralleltonart, nur in anderer Reihenfolge: i, iv und v sind Moll, III, VI und VII sind Dur, ii° ist vermindert.
- Die fünfte Stufe ist im natürlichen Moll ein Mollakkord. Harmonisch Moll hebt die ♭7 zur 7 an, um wieder einen Leitton zu bekommen.
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