Theorie verstehen
Wie hängen Tonleiter, Akkorde und Modi zusammen?
Jean-Marc Perc · · Laufzeit 1:52
Das Video ist auf Englisch. Deutsche Untertitel lassen sich im Player zuschalten.
Tonleiter, Akkorde und Modi sind nicht drei Themen, sondern drei Blickwinkel auf dieselben sieben Töne. Jede Stufe einer Tonleiter trägt einen Dreiklang, dieser Dreiklang wird mit einer weiteren Terz zum Septakkord, und dieselbe Stufe ergibt einen Modus, sobald man die Tonleiter von ihr aus liest. Das Key-Theory-Modul von SMART FRET zeigt diese drei Ebenen als ineinanderliegende Ringe: innen der Ton, außen der Modus – und dazwischen sieht man, dass alles aus derselben Tonleiter stammt.
Welche Akkorde gehören zu einer Tonart?
Der innerste Ring zeigt die Töne der gewählten Tonleiter. In C-Dur sind das C, D, E, F, G, A und B – SMART FRET schreibt die Noten international, in jeder Sprache der Oberfläche. Wer die deutschen Namen gewohnt ist: B steht hier für das H, Bb für das deutsche B. Welche Tonleitern sich überhaupt lohnen und in welcher Reihenfolge, steht im Ratgeber zu Tonleitern auf der Gitarre.
Ein Ring weiter außen steht auf jedem dieser Töne ein Dreiklang. Er entsteht, indem man von der Stufe aus in Terzen weiterzählt und dabei nur Töne der Tonleiter verwendet. In C-Dur ergibt das:
- C – Dm – Em – F – G – Am und einen verminderten Dreiklang auf B
Dass D nicht D-Dur, sondern D-Moll ergibt, ist keine Ausnahme, sondern die Regel: Ob eine Stufe Dur, Moll oder vermindert klingt, entscheidet allein ihr Abstand innerhalb der Tonleiter. Genau deshalb ist die Ringdarstellung so nützlich – man muss die Qualität nicht auswendig lernen, man sieht sie.
Was sind Septakkorde – und wann brauchst du sie?
Noch ein Ring weiter, und aus dem Dreiklang wird der Septakkord. Musikalisch passiert dabei genau eine Sache: Auf den Dreiklang kommt eine weitere Terz. Aus D-Moll wird Dm7 – gleicher Grundton, gleiche Funktion, nur mehr Farbe.
In C-Dur sind das Cmaj7, Dm7, Em7, Fmaj7, G7, Am7 und Hm7♭5. Wer Jazz, Soul, Bossa oder anspruchsvolleren Pop spielt, arbeitet fast durchgehend mit diesen Vierklängen statt mit Dreiklängen – und die Stufe mit dem Dominantseptakkord (hier G7) ist die, die am stärksten zurück zum Grundton zieht.
Was ist ein Modus, und wie siehst du ihn im Kreis?
Der äußerste Ring zeigt zu jeder Stufe ihren Modus. Aus D wird D-Dorisch. Wichtig dabei: Ein Modus ist keine neue Tonleiter. Es sind dieselben sieben Töne, nur mit einem anderen Ton als Zentrum. C-Dur von D aus gelesen ist D-Dorisch, von E aus gelesen E-Phrygisch, und so weiter durch alle sieben Stufen:
- Ionisch, Dorisch, Phrygisch, Lydisch, Mixolydisch, Äolisch, Lokrisch
Das ist der Punkt, an dem Modi für viele zum ersten Mal einleuchten. Sie wirken so lange kompliziert, wie man sie als sieben zusätzliche Tonleitern lernt, die man auswendig können muss. Als Ringe um dieselbe Tonart herum sind es sieben Blickwinkel auf etwas, das man bereits kennt.
Sieben Töne, sieben Akkorde, sieben Modi
Damit steht die ganze Struktur auf einer einzigen Regel: Wähle einen Ton und geh nach außen. Du bekommst seinen Dreiklang, seinen Septakkord und seinen Modus – alle aus denselben sieben Tönen gebaut. Sieben Stufen ergeben sieben Dreiklänge, die zu sieben Septakkorden werden, zu denen sieben Modi gehören.
Wer das einmal gesehen hat, hört auf, drei getrennte Kapitel zu lernen.
Dur, harmonisch Moll, melodisch Moll und harmonisch Dur
Die Tonart selbst wechselst du über den äußersten Ring. Darüber hinaus lässt sich aber auch die Art der Tonleiter umschalten – und dabei verändern sich die Akkorde in den inneren Ringen sichtbar mit. Das ist der lehrreichste Moment des Moduls, weil man den Zusammenhang nicht erklärt bekommt, sondern beobachtet:
Harmonisch Moll
Natürliches Moll mit erhöhter siebter Stufe. Genau diese eine Änderung macht aus der fünften Stufe einen Dur- beziehungsweise Dominantseptakkord und erzeugt damit den starken Zug zum Grundton, den natürliches Moll nicht hat.
Melodisch Moll
Sechste und siebte Stufe erhöht. Klingt aufwärts fast wie Dur mit kleiner Terz und ist die Grundlage eines großen Teils der Jazzharmonik.
Harmonisch Dur
Dur mit erniedrigter sechster Stufe. Seltener, aber der schnellste Weg zu der etwas dunkleren Färbung, die man aus Filmmusik kennt.
Den Akkord hören, nicht nur sehen
Unten rechts sitzt ein Play-Button. Er spielt den gewählten Akkord als Schleife im Hintergrund, sodass du direkt darüber spielen kannst. Damit wird aus der Visualisierung eine Übung: Modus im äußeren Ring auswählen, Akkord loopen lassen, darüber improvisieren – und zwar in dem Moment, in dem man den Zusammenhang gerade verstanden hat, statt zwei Wochen später.
Kurz zusammengefasst
- Eine Tonleiter hat sieben Stufen – und damit sieben Dreiklänge, sieben Septakkorde und sieben Modi.
- Dreiklang, Septakkord und Modus sind keine drei Themen, sondern drei Blickwinkel auf dieselbe Stufe.
- Ein Septakkord ist ein Dreiklang mit einer weiteren Terz obendrauf – gleicher Grundton, reichere Harmonie.
- Ein Modus ist keine neue Tonleiter, sondern dieselbe Tonleiter von einer anderen Stufe aus gelesen.
- Beim Umschalten auf harmonisch Moll, melodisch Moll oder harmonisch Dur ändern sich die Akkorde sichtbar mit.
Mehr zu diesem Modul: Verstehen statt auswendig greifen →
Vollständiges Transkript des Videos
Fangen wir mit dem Key-Theory-Modul an.
Der innere goldene Ring zeigt alle Töne der gewählten Tonleiter – im Moment C-Dur, also C, D, E, F, G, A und B. Nimm zum Beispiel D: Das ist erst einmal nur ein Ton in der Tonleiter. Geh einen Ring nach außen, und du bekommst den Akkord, der auf dieser Stufe steht. Aus D wird D-Moll – der Dreiklang, der von diesem Ton aus gebaut ist. Noch einen Ring weiter, und daraus wird der vollständige Septakkord: Aus D-Moll wird Dm7 – derselbe Grundton, nur reichere Harmonie. Und der äußerste Ring gibt dir den Modus, der auf demselben Ton steht: Aus D wird D-Dorisch – eine Tonleiter, betrachtet von dieser Stufe aus.
Das ist die ganze Struktur: Wähle einen Ton, und nach außen hin bekommst du seinen Dreiklang, seinen Septakkord und seinen Modus – alles aus denselben sieben Tönen. Das ergibt sieben Dreiklänge, daraus sieben Septakkorde, und jeder davon hat seinen eigenen Modus – also auch sieben Modi.
Das sind die Akkorde und Modi, die aus einer Dur-Tonleiter entstehen – aber es hört nicht bei Dur auf. Hier oben kann ich die Tonleiter selbst umschalten: harmonisch Moll, melodisch Moll, harmonisch Dur. Achte auf die inneren Ringe, während ich umschalte – siehst du, wie sich die Akkorde selbst verändern? Genau darum geht es in diesem Modul: Du siehst sofort, wie Theorie und Tonartbeziehungen tatsächlich funktionieren.
Noch eine Sache – unten rechts ist ein Play-Button. Drück den, und der gewählte Akkord läuft als Schleife im Hintergrund, sodass du darüber spielen und wirklich hören kannst, wie es klingt.
Das war das Key-Theory-Modul. Als Nächstes bringen wir diese Akkorde auf ein Instrument.