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Tonleitern
Die Moll-Pentatonik auf der Gitarre: fünf Lagen über den ganzen Hals
SMART FRET Team ·
Die Moll-Pentatonik ist die Tonleiter, die auf der Gitarre am häufigsten zu hören ist. Rocksoli bestehen über weite Strecken aus ihr, Blues sowieso. Der größte Fehler beim Üben ist, sie als fünf auswendig zu lernende Griffbilder zu behandeln.
Verstanden ist sie erst, wenn klar ist, woraus sie eigentlich besteht: dem Akkord selbst, plus zwei zusätzliche Töne.
Der Akkord plus zwei Töne, nicht fünf beliebige Noten
Die Moll-Pentatonik besteht aus den Intervallen 1, ♭3, 4, 5, ♭7. Die ersten drei davon, 1, ♭3 und 5, kennst du bereits aus dem Akkorde-Artikel: Das ist exakt der Moll-Dreiklang, also der Hintergrund, den eine Begleitung ohnehin spielt. Dazu kommen zwei weitere Töne, die 4 und die ♭7.
| Stufe | Intervall | Ton in A-Moll | Bünde über dem Grundton |
|---|---|---|---|
| 1 | Grundton | A | 0 |
| ♭3 | ♭3 (Akkordton) | C | 3 |
| 4 | 4 | D | 5 |
| 5 | 5 (Akkordton) | E | 7 |
| ♭7 | ♭7 | G | 10 |
Das ist der Grund, warum die Pentatonik so verlässlich funktioniert: Drei ihrer fünf Töne sind der Hintergrund, den die Begleitung gerade spielt. Die 1, die ♭3 und die 5 geben dir größtmögliche Stabilität, weil sie mit dem Akkord verschmelzen. Die 4 und die ♭7 sind die beiden Töne, die dazukommen und dem Ganzen seine Bewegung geben.
Warum genau diese beiden Töne fehlen: 2 und ♭6 sind raus
Entstanden ist die Pentatonik aus dem natürlichen Moll, dem zwei Intervalle fehlen: die 2 und die ♭6. Das ist keine zufällige Auswahl. Beide liegen einen Halbton neben einem Akkordton: die ♭6 einen Halbton über der 5, die 2 einen Halbton unter der ♭3.
Ein Ton, der einen Halbton neben einem gerade klingenden Akkordton liegt, ist die Reibung, die man als „falschen Ton” hört. Nimmt man beide heraus, bleibt eine Tonleiter übrig, in der diese Reibung nicht mehr vorkommt. Die Moll-Pentatonik lässt sich deshalb über praktisch jeden Moll-Akkord in derselben Tonart spielen, ohne dass etwas kollidiert.
Eine Anfängerversion ist sie damit nicht. Sie ist eine bewusste Auswahl, die Profis aus demselben Grund treffen.
Der Nebeneffekt: Pentatonik als Türöffner zu den Modi
Diese Auswahl-Logik gilt nicht nur für das natürliche Moll. Die drei Moll-Modi der Dur-Tonleiter, also Dorisch, Phrygisch und Äolisch, unterscheiden sich untereinander nur in der 2 und der 6 beziehungsweise deren ♭-Varianten. Nimmst du diese beiden Töne heraus, bleibt in allen drei Fällen dieselbe Moll-Pentatonik übrig.
Deshalb ist die Pentatonik der leichteste Einstieg in die Modi: Um von ihr zu einem bestimmten Modus zu kommen, musst du nur noch zwei Töne wieder einsetzen, und diese zwei Töne sind es auch, die dem Modus sein eigenes Gefühl geben.
Das lässt sich direkt hören. Setzt du der Moll-Pentatonik die 2 wieder hinzu, klingt das Ergebnis hoffnungsvoll, die helle Version des Intervalls bringt die Farbe mit, die sie auch sonst hat. Setzt du stattdessen die ♭2 ein, kippt derselbe Punkt sofort ins Drückende, Temperamentvolle, fast Dramatische. Die Pentatonik selbst bleibt dabei immer die stabile, reibungsfreie Basis. Jeder zusätzliche Ton ist eine bewusste Entscheidung für eine bestimmte Farbe, nicht nur „ein Ton mehr”.
Für die Dur-Seite gilt eine eigene Regel: Die Dur-Pentatonik ist die Dur-Tonleiter ohne die 4 und die 7, also wieder ohne die beiden Töne, die neben einem Akkordton reiben.
Timing schlägt Notenwahl: die 4 als „Und”
Es geht beim Spielen nicht nur darum, welche Töne man verwendet, sondern, wie bei einer Pointe, auch um Timing. Die 4 zum Beispiel klingt wie ein „Und” mitten im Satz: Landest du auf ihr, erwartet das Ohr, dass noch etwas kommt. Beendest du eine Line auf der 4, bleibt sie hörbar offen. Sie ist deshalb ein hervorragender Durchgangston, aber ein schwacher Zielton, denn sie will weiter, zur ♭3 oder zur 5.
Dieselbe Logik gilt für die ♭7: Landest du auf ihr statt auf dem Grundton, wird alles ein bisschen weicher und runder, der typische Pentatonik-Klang. Wer weiß, wie jeder der fünf Töne relativ zum Akkord klingt, nicht nur, wo er auf dem Griffbrett liegt, hat das gute Solo bereits in der Hand.
CAGED als Werkzeug, nicht als Selbstzweck
Die fünf Lagen der Pentatonik über den ganzen Hals werden meist über das CAGED-System eingeführt, vom englischen cage, Käfig, weil es fünf ineinandergreifende Griffbild-Käfige sind. Im Kern ist CAGED eine Landkarte dafür, wie sich dieselben Intervalle über den Hals verteilen: Es zeigt dir, wo 1, ♭3, 4, 5 und ♭7 gerade liegen, egal in welcher Lage du dich befindest.
Wichtig ist die Reihenfolge im Kopf. CAGED ist das Werkzeug, um Intervalle zu finden, nicht der eigentliche Lernstoff. Wer weiß, wie die fünf Töne klingen und welche Rolle sie spielen, nutzt CAGED zur Orientierung, statt fünf Formen separat auswendig zu lernen.
Lage 1: die Form, mit der man anfängt
Der Grundton A liegt auf der tiefen E-Saite im fünften Bund, ein zweiter auf der D-Saite im siebten, ein dritter auf der hohen E-Saite im fünften. Zeigefinger bleibt im fünften Bund liegen, Ringfinger übernimmt den siebten, kleiner Finger den achten.
Fang hier an, und wirklich nur hier. Über eine Begleitung in A-Moll gespielt, klingt diese eine Form sofort nach Musik.
Wie die anderen vier Lagen daran anschließen
Jede Lage teilt mit ihrer Nachbarin genau einen Ton pro Saite. Der obere Ton der tieferen Lage ist der untere Ton der nächsthöheren. Wer eine Lage kann, hat damit von der nächsten bereits einen Ton pro Saite. Man lernt also nie eine ganz neue Lage, sondern immer nur den Weg aus einer bekannten heraus.
Lage 2, 7. bis 10. Bund. Die Grundtöne sitzen auf der D-Saite im siebten und der B-Saite im zehnten Bund, jetzt in der Mitte des Griffbilds statt am Rand.
Lage 3, 9. bis 13. Bund. Die unbequemste der fünf: Die 5 (E) auf der G-Saite und die ♭3 (C) auf der B-Saite rutschen jeweils einen Bund heraus, wegen des Stimmungssprungs zwischen G- und B-Saite.
Lage 4, 12. bis 15. Bund. Dieselbe Form zwölf Bünde tiefer verschoben landet bei den Leersaiten.
Lage 5, 14. bis 17. Bund. Sie schließt den Kreis: Ihr oberer Ton auf jeder Saite ist der untere von Lage 1, eine Oktave höher.
Alle fünf auf einem Hals, und das Verschieben in andere Tonarten
Grundtöne liegen in den ersten 17 Bünden an zehn Stellen: tiefe und hohe E-Saite im 5. und 17. Bund, A-Saite leer und im 12., D-Saite im 7., G-Saite im 2. und 14., B-Saite im 10. Ab dem zwölften Bund wiederholt sich alles.
| Tonart | Lage 1 beginnt im | Lage 1 reicht bis |
|---|---|---|
| E-Moll | 0. Bund (Leersaite) oder 12. | 3. bzw. 15. |
| G-Moll | 3. Bund | 6. |
| A-Moll | 5. Bund | 8. |
| C-Moll | 8. Bund | 11. |
| D-Moll | 10. Bund | 13. |
Dur-Pentatonik: dieselben Griffbilder, anderer Zielton
Die Dur-Pentatonik besteht aus denselben fünf Tönen wie die Moll-Pentatonik ihrer Paralleltonart, nur ist der Grundton ein anderer. Der Grundton der Dur-Pentatonik liegt drei Bünde über dem der Moll-Pentatonik mit denselben Formen. Willst du über eine Begleitung in G-Dur spielen, nimm die E-Moll-Pentatonik-Griffe und ziele auf die G-Töne. Der Unterschied passiert im Kopf, nicht in der Hand.
Wie du das übst
- Eine Lage nach der anderen, wirklich nacheinander. Fünf fehlerfreie Durchgänge bei Achteln im Zieltempo, dann erst die nächste.
- Nicht nur Grundton, sondern Intervall mitsprechen. Sprich mit, welches Intervall du gerade spielst: 1, ♭3, 4, 5, ♭7.
- Auf der 4 und der ♭7 bewusst stehen bleiben und hören, wohin sie wollen.
- Sechsergruppen statt Auf und Ab, sobald die Achtel sicher sind: Zwei Töne pro Saite ergeben über drei Saiten eine Sechsergruppe.
Vier Fehler, an denen die Pentatonik langweilig klingt
- Alle fünf Lagen gleichzeitig anfangen. Eine sichere Lage ergibt ein Solo, fünf halb gekonnte keines.
- Nur Notennamen, nie Intervalle denken. Wer nicht weiß, dass er gerade auf der 4 steht, weiß auch nicht, warum sie nach „und dann?” klingt.
- Den Grundton beim Begleitungswechsel nicht mitdenken. Dieselben fünf Töne sind A-Moll oder C-Dur, je nachdem, worauf du zielst.
- Alles in gleichen Notenwerten. Timing, also Pausen, gehaltene Töne und ausgelassene Töne, macht aus fünf Noten Musik, nicht die Anzahl der Töne.
Was danach kommt
Der nächste Schritt ist klein. Die Blues-Tonleiter ist diese Tonleiter plus einen einzigen zusätzlichen Ton, die ♭5, einen kurzen, instabilen Durchgangston zwischen der 4 und der 5. Er funktioniert nach demselben Prinzip wie die 4 selbst: Er will weiter, nicht bleiben.
Kurz zusammengefasst
- Die Moll-Pentatonik besteht aus 1, ♭3, 4, 5, ♭7. Die ersten drei davon sind exakt der Moll-Akkord, deshalb klingt sie über einer Moll-Begleitung so verlässlich.
- Sie ist das natürliche Moll ohne die 2 und die ♭6. Beide liegen einen Halbton neben einem Akkordton, weshalb ohne sie kaum etwas reibt.
- Dieselbe Auswahl-Logik gilt für die drei Moll-Modi, die sich nur in 2 und 6 unterscheiden. Deshalb ist die Pentatonik der leichteste Einstieg in die Modi.
- Timing entscheidet mit: Die 4 klingt wie ein „Und" und will weiter, die ♭7 macht den Klang weicher und runder.
- Fünf Lagen decken den Hals ab, jede teilt mit ihrer Nachbarin genau einen Ton pro Saite. CAGED ist eine Landkarte für die Intervallverteilung, ein Werkzeug und kein Lernstoff für sich.
- Die Dur-Pentatonik nutzt dieselben Formen, nur mit dem Grundton drei Bünde höher als bei der passenden Moll-Pentatonik.
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