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Tonleitern

Die Blues-Tonleiter auf der Gitarre: ein Ton mehr als die Pentatonik

SMART FRET Team ·

Die Blues-Tonleiter ist die kleinste Erweiterung im ganzen Cluster, ein einziger Ton mehr als die Moll-Pentatonik. Kein neues Griffbild, keine neue Handhaltung, zwei zusätzliche Punkte pro Lage. Wer die Pentatonik kann, hat diesen Artikel in einer Übungseinheit abgearbeitet.

Deshalb steht sie in diesem Cluster ganz hinten. Ohne die Moll-Pentatonik darunter ist sie eine sechstönige Tonleiter mit einem eigenartigen Ton darin. Mit ihr darunter ist sie ein Werkzeug.

Der eine zusätzliche Ton

Zur Moll-Pentatonik A, C, D, E, G kommt die verminderte Quinte dazu, in A-Moll das Eb. Sechs Töne insgesamt: A, C, D, Eb, E, G.

StufeTon in AIntervallBünde über dem Grundton
1AGrundton0
♭3Ckleine Terz3
4DQuarte5
♭5Ebverminderte Quinte6
5EQuinte7
♭7Gkleine Septime10

Der neue Ton liegt zwischen der Quarte und der Quinte, also genau in der Lücke, die in der Pentatonik drei Bünde breit war. Damit steht er sechs Bünde über dem Grundton, exakt in der Mitte der Oktave. Dieses Intervall heißt auch Tritonus und ist das einzige, das nach oben und nach unten gleich weit zum Grundton hat.

Er heißt Blue Note, und zwar die bekannteste von mehreren. Auch die kleine Terz und die kleine Septime gelten als Blue Notes, weil sie gegenüber der Durtonleiter abgesenkt sind. Wenn in einem Lehrbuch von der Blue Note die Rede ist, ist aber meistens diese gemeint.

Warum er nur im Vorbeigehen funktioniert

Die verminderte Quinte ist der einzige Ton dieser Tonleiter, auf dem du nicht stehen bleiben kannst. Er ist spannungsgeladen und will weiter, und zwar in eine der beiden Richtungen: einen Bund hoch zur Quinte oder einen Bund runter zur Quarte. Beides klingt richtig. Bleiben klingt nach einem falschen Ton.

Geschmackssache ist das nicht. Er hat zu beiden Nachbarn nur einen Halbton Abstand, und beide Nachbarn sind stabile Töne der Tonleiter. Wer zwischen zwei stabilen Tönen eingeklemmt ist, wird als Durchgang gehört und nicht als Ziel.

Praktisch heißt das: In einem langsamen Blues reicht meist eine einzige Blue Note pro Phrase. Eine Kette davon klingt nicht bluesiger, sondern unentschlossen. Der Effekt lebt von der Seltenheit.

Lage 1: 5. bis 8. Bund

Lage 1 der A-Blues-Tonleiter im 5. bis 8. Bund: die Form der A-Moll-Pentatonik mit zwei zusätzlichen Punkten. Tiefe E-Saite 5 und 8, A-Saite 5, 6 und 7, D-Saite 5 und 7, G-Saite 5, 7 und 8, B-Saite 5 und 8, hohe E-Saite 5 und 8. Die Blue Note Eb liegt auf der A-Saite im 6. und auf der G-Saite im 8. Bund.
Lage 1. Die beiden abgesetzten Punkte sind die Blue Note: A-Saite 6. Bund, G-Saite 8. Bund.

Vergleich das Bild mit Lage 1 der Moll-Pentatonik, und du findest genau zwei neue Punkte. Auf der A-Saite im sechsten Bund und auf der G-Saite im achten. Sonst ist alles gleich geblieben.

Beide liegen unmittelbar neben einem Ton, den du ohnehin greifst. Auf der A-Saite rutscht der Zeigefinger vom D im fünften einen Bund hoch. Auf der G-Saite kommt der kleine Finger einen Bund über dem Ringfinger dazu. Die A-Saite trägt damit drei Töne in drei aufeinanderfolgenden Bünden, D, Eb und E, und das ist die Stelle, an der das typische Bluesgefühl in dieser Lage sitzt: hoch zum Eb, weiter zum E, und wieder zurück.

Lage 2: 7. bis 10. Bund

Lage 2 der A-Blues-Tonleiter im 7. bis 10. Bund: Tiefe E-Saite 8 und 10, A-Saite 7 und 10, D-Saite 7 und 10, G-Saite 7, 8 und 9, B-Saite 8 und 10, hohe E-Saite 8 und 10. Die Blue Note Eb liegt hier nur einmal im Kasten, auf der G-Saite im 8. Bund.
Lage 2. Nur eine Blue Note im Kasten, auf der G-Saite, eingeklemmt zwischen Quarte und Quinte.

In Lage 2 kommt die Blue Note nur ein einziges Mal vor, auf der G-Saite im achten Bund. Dort steht sie zwischen dem D im siebten und dem E im neunten, also genau in der Konstellation, die den Abschnitt oben beschreibt: drei Töne, drei benachbarte Bünde, der mittlere ist der Durchgang.

Dass eine Lage nur eine Blue Note hat, ist kein Mangel. Auf der G-Saite passieren in dieser Halsregion deshalb so viele Blues-Licks.

Alle Blue Notes auf dem Hals

Die A-Blues-Tonleiter über den ganzen Hals, vom Leerbund bis zum 12. Bund. Die Grundtöne A rot, die Blue Note Eb in einer dritten Farbe abgesetzt: tiefe E-Saite 11. Bund, A-Saite 6., D-Saite 1., G-Saite 8., B-Saite 4., hohe E-Saite 11. Bund.
Rot die Grundtöne, in der dritten Farbe die sechs Blue Notes. Eine pro Saite in den ersten zwölf Bünden.

In den ersten zwölf Bünden liegt auf jeder Saite genau eine Blue Note: auf der tiefen E-Saite im elften Bund, auf der A-Saite im sechsten, auf der D-Saite im ersten, auf der G-Saite im achten, auf der B-Saite im vierten und auf der hohen E-Saite wieder im elften. Sechs Stellen, und wer sie kennt, findet sie in jeder Lage, ohne das Griffbild abzusuchen.

In jede Tonart verschieben

Wie bei der Pentatonik liegt der Grundton von Lage 1 auf der tiefen E-Saite, und die Lage beginnt dort.

TonartGrundton auf der tiefen E-SaiteLage 1 reicht von–bis
E-Blues0. Bund (Leersaite) oder 12.0.–3. bzw. 12.–15.
G-Blues3. Bund3.–6.
A-Blues5. Bund5.–8.
C-Blues8. Bund8.–11.
D-Blues10. Bund10.–13.

A und E sind die beiden Bluestonarten, in denen am meisten gespielt wird, weil sie auf der Gitarre die tiefen Leersaiten als Grundton haben.

Warum Moll über einer Dur-Begleitung funktioniert

Hier steckt der Punkt, an dem der Blues sich von allem anderen in diesem Cluster unterscheidet, und er verwirrt jeden, der ihn zum ersten Mal bemerkt.

Ein Blues in A wird üblicherweise über A7, D7 und E7 gespielt. Das sind Dominantseptakkorde, und jeder von ihnen enthält eine große Terz. In A7 ist das C#. Die Blues-Tonleiter, die du darüber spielst, enthält aber die kleine Terz, also C. Zwei Töne, ein Bund Abstand, gleichzeitig zu hören.

Nach den Regeln, die für Dur und Moll sonst gelten, dürfte das nicht funktionieren. Im Blues ist genau diese Reibung der Klang. Sie ist nicht geduldet, sondern der Grund, warum die Musik so heißt. Zwei Folgerungen für die Praxis:

  1. Du musst die Tonleiter nicht wechseln, wenn die Begleitung den Akkord wechselt. Über A7, D7 und E7 funktioniert dieselbe A-Blues-Tonleiter durchgehend. Deshalb ist ein Blues die dankbarste Form zum Improvisieren.
  2. Die kleine Terz ist selbst eine Blue Note. Was oben über die verminderte Quinte gesagt wurde, gilt abgeschwächt auch für sie: Sie klingt am besten in Bewegung, oft als Zug von C nach C#, den Gitarristen als halbtoniges Ziehen der Saite spielen.

Drei Übungen

  1. Die Blue Note nur im Durchgang. Spiel Lage 1 aufwärts und abwärts und nimm die beiden neuen Punkte mit, ohne auf ihnen zu verweilen. Achtel bei 70 bpm reichen. Ziel ist, dass die Hand sie mitnimmt, ohne dass du daran denkst.
  2. Vier Töne, eine Pause. Bau Phrasen aus höchstens vier Tönen, davon höchstens einer eine Blue Note, und lass danach einen ganzen Takt Pause. Diese Übung macht aus der Tonleiter Blues, und sie ist schwerer, als sie klingt.
  3. Über eine Begleitung in Dur. Nimm zwölf Takte A7, D7, E7 auf oder such ein Play-along, und spiel nur Lage 1. Hör auf die Stelle, an der das C der Tonleiter auf das C# des Akkords trifft. Wenn du diese Reibung einmal bewusst gehört hast, spielst du sie ab da absichtlich.

Drei Fehler

  1. Auf der Blue Note stehen bleiben. Der häufigste, und er klingt sofort nach Fehler statt nach Blues. Weiter, in eine der beiden Richtungen.
  2. Sie in jede Phrase packen. Eine pro Phrase ist viel. Der Ton wirkt, weil er selten ist.
  3. Die Blues-Tonleiter vor der Pentatonik lernen. Sie ist eine Erweiterung und keine eigenständige Tonleiter. Ohne die fünf Lagen darunter fehlt das, was erweitert wird.

Was danach kommt

Damit sind die vier Tonleitern dieses Clusters vollständig. Der nächste Schritt ist keine fünfte, sondern die Breite: die fünf Lagen der Moll-Pentatonik über den ganzen Hals, die dieselben zwei zusätzlichen Punkte pro Lage bekommen, sobald du sie kannst. Die Einordnung aller vier steht im Überblick.

Wie sich Lagen, Akkordformen und Skalen am Griffbrett ineinanderschieben, behandelt das Tutorial zum Griffbrett-Modul; im Modul selbst lässt sich zwischen Pentatonik und Blues über derselben Lage umschalten. Alles Weitere zum Modul steht in der Feature-Übersicht.

Kurz zusammengefasst

  • Die Blues-Tonleiter ist die Moll-Pentatonik plus einen Ton: die verminderte Quinte. In A-Moll ist das Eb, sechs Bünde über dem Grundton.
  • Sechs Töne: A, C, D, Eb, E, G. Ein neues Griffbild brauchst du nicht, nur zwei zusätzliche Punkte pro Lage.
  • Die Blue Note ist ein Durchgangston, kein Zielton. Sie liegt zwischen Quarte und Quinte und will weiter, in eine der beiden Richtungen.
  • In Lage 1 kommt sie zweimal vor, auf der A-Saite im 6. und auf der G-Saite im 8. Bund. In Lage 2 nur einmal, auf der G-Saite im 8.
  • Auf dem ganzen Hals gibt es in den ersten zwölf Bünden genau sechs davon, eine pro Saite.
  • Über einer Blues-Begleitung in Dur klingt die Molltonleiter richtig. Die Reibung zwischen der kleinen Terz der Tonleiter und der großen Terz der Akkorde ist der Blues-Klang selbst.
  • Die Tonleiter kostet eine Übungseinheit, nicht ein Kapitel. Sinnvoll ist sie erst, wenn die Moll-Pentatonik sitzt.

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