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Grundlagen
Akkorde: wie aus Intervallen ein Hintergrund wird
SMART FRET Team ·
Im letzten Artikel ging es um Intervalle: den Abstand zwischen zwei Tönen, der erst ein Gefühl erzeugt. Ein Akkord ist nichts anderes als mehrere dieser Intervalle gleichzeitig gespielt, der Hintergrund, vor dem sich die Melodie bewegt.
Wer verstanden hat, welche Intervalle einen Akkord bilden, muss keine tausend Griffbilder auswendig lernen. Er weiß, woraus sie gemacht sind, und kann sie sich im Zweifel selbst zusammenbauen.
Die Basis: 1, 3 und 5
Der einfachste Akkord besteht aus drei Tönen: der 1 (dem Grundton), der 3 und der 5. Das ist der sogenannte Dreiklang, und er ist der Backbone von fast allem, was du an Akkorden greifst. Die 1 gibt dir den Ort, an dem du stehst. Die 3 entscheidet über die Emotion, hell oder dunkel. Die 5 gibt dem Ganzen seinen Boden, seine Stabilität.
Weil sowohl die 3 als auch die 5 jeweils in einer hellen und einer dunklen Version existieren, ergeben sich aus genau diesen zwei Schaltern vier Grundtypen:
| Akkordtyp | Aufbau | Klingt |
|---|---|---|
| Dur | 1-3-5 | hell, stabil |
| Moll | 1-♭3-5 | dunkel, stabil |
| Vermindert | 1-♭3-♭5 | dunkel, instabil, spannungsgeladen |
| Übermäßig | 1-3-♯5 | hell, aber schwebend, unaufgelöst |
Vier Akkordtypen, zwei Schalter. Das ist der ganze Unterschied zwischen „klingt nach Sonntagvormittag” und „klingt nach Horrorfilm”: zwei Bünde, mehr nicht.
Die 7: ein vierter Ton macht den Akkord komplexer
Fügst du dem Dreiklang einen vierten Ton hinzu, die 7, entsteht ein Septakkord (englisch seventh chord). Auch hier gibt es wieder eine helle und eine dunkle Version, und auch hier entscheidet der Kontext, in dem die 7 landet, über die Wirkung.
- ♭7 auf einem Dur-Akkord (1-3-5-♭7) ergibt den Dominantseptakkord, zum Beispiel C7. Er klingt nicht einfach nur „mehr Dur”, sondern spannungsgeladen, fast fordernd. Er will sich auflösen, meistens zu einem Akkord eine Quarte höher.
- 7 auf einem Dur-Akkord (1-3-5-7) ergibt den Dur-7-Akkord, Cmaj7. Das ist die elegante, schwebende Version, kein Zug nach vorn, eher ein Verweilen.
- ♭7 auf einem Moll-Akkord (1-♭3-5-♭7) ergibt den Moll-7-Akkord, Cm7. Weicher, runder als reines Moll, weniger dramatisch.
- 7 auf einem Moll-Akkord (1-♭3-5-7) ergibt den Moll-Dur-7-Akkord (mMaj7), selten, aber deshalb sehr auffällig, oft in Filmmusik und Jazz zu hören.
- ♭7 auf dem verminderten Dreiklang (1-♭3-♭5-♭7) ergibt den halbverminderten Akkord (m7♭5). Er wartet in jeder Tonart schon auf dich: in Dur auf der siebten Stufe, in natürlichem Moll auf der zweiten.
- ♭♭7 auf dem verminderten Dreiklang ergibt den vollverminderten Akkord (dim7), den instabilsten aller Standardakkorde.
Auch hier sind es immer dieselben Prinzipien, die neu kombiniert werden: welche 3, welche 5, und jetzt zusätzlich welche 7. Kein neuer Akkord ist wirklich neu, er ist eine neue Kombination bekannter Schalter.
Die Regeln sind ein Ausgangspunkt, kein Zaun
Bis hierher hast du gelernt, wie man mit 1, 3, 5 und 7 arbeitet, jeweils übereinander gestapelt in Terzen. Aber sobald du verstehst, dass ein Akkord einfach eine Ansammlung von Intervallen ist, kannst du auch anfangen, von diesem Muster abzuweichen. Daraus entstehen die Akkorde, die auf den ersten Blick kompliziert wirken.
Sus-Akkorde ersetzen die 3. „Sus” steht für „suspended”: Die 3 wird ausgelassen und durch die 2 oder die 4 ersetzt. Ein sus2 (1-2-5) und ein sus4 (1-4-5) haben deshalb gar keine Information mehr darüber, ob sie Dur oder Moll sind. Sie klingen offen, schwebend, weder happy noch sad. Das ist kein Sonderfall mit eigenen Regeln, sondern schlicht: Du hast einen anderen Ton aus den 12 verfügbaren gewählt und ihn an die Stelle der 3 gesetzt.
Man kann Akkordtöne auch nach unten statt nach oben wählen. Bisher wurde immer von der 1 aus nach oben gestapelt: 1, 3, 5, 7. Genauso gut lässt sich ein Akkord von einem höheren Ton aus nach unten denken, oder ein Basston unter den eigentlichen Grundton legen, in Notenschrift oft als C/E oder C/G geschrieben, also „C über E”. Der Akkord bleibt derselbe, nur seine tiefste Stimme ändert sich, und damit sein Gewicht.
Akkordtöne lassen sich ausbreiten (Voicing). 1, 3 und 5 müssen nicht eng nebeneinander liegen. Verteilst du sie über mehrere Oktaven, die 5 tief, die 3 in der Mitte, eine zweite 1 ganz oben, bleibt es harmonisch derselbe Akkord, klingt aber völlig anders: offener, größer, luftiger. Das ist der Unterschied zwischen einem engen Barré-Griff und einem offenen Akkord mit denselben drei Tönen.
Der Punkt dahinter: Ein Akkord ist kein festes Objekt, das man auswendig lernt, sondern eine Auswahl von Intervallen um einen Grundton, und diese Auswahl kannst du selbst treffen. Es lohnt sich trotzdem, sich anzusehen, welche Kombinationen bereits einen Namen haben und wie sie klingen, damit du nicht bei null anfängst. Aber die Angst vor „tausend Akkorden, die ich auswendig lernen muss” verschwindet, sobald klar ist: Es sind immer dieselben 12 Töne und dieselben 12 Intervalle, nur anders zusammengestellt.
Welche sieben Akkorde in einer Tonart zusammengehören und warum, steht im Artikel zur Dur-Tonleiter.
Kurz zusammengefasst
- Ein Dreiklang besteht aus 1, 3 und 5. Ob er Dur, Moll, vermindert oder übermäßig klingt, hängt nur von zwei Schaltern ab: 3 oder ♭3, 5 oder ♭5 beziehungsweise ♯5.
- Eine vierte Stufe, die 7, macht daraus einen Septakkord. ♭7 oder 7 wirken je nach Grundakkord unterschiedlich, von spannungsgeladen (Dominantseptakkord) bis elegant schwebend (maj7).
- Sus-Akkorde ersetzen die 3 durch die 2 oder die 4 und klingen dadurch weder Dur noch Moll.
- Akkordtöne lassen sich auch von oben nach unten wählen (andere Bassnote) oder über mehrere Oktaven ausbreiten (Voicing). Der Akkord bleibt derselbe, seine Wirkung ändert sich.
- Ein Akkord ist eine Auswahl von Intervallen, keine feste Liste auswendig zu lernender Griffe.
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